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out of the box

 

JACK

 

Ziel dieses Projekts ist eine Aktivierung des öffentlichen, städtischen Raumes durch eine temporäre, provisorische Architektur. Angelehnt an avantgardistische, futuristische Projekte verschiedener architektonisch-künstlerischen Gruppierungen der 60er- und 70er-Jahre (z.B. die österreichische Architekten-Künstlergruppe „Haus

-Rucker-Co.“ sowie die englische Gruppe „Archigram“ um Peter Cook und Michael Webb) soll es bereits existente Situationen akzentuieren und somit das Bewusstsein der Bevölkerung für die gebaute Realität sensibilisieren, zeitgleich jedoch auch eine neue Nutzung an diesem Ort implementieren.

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Diese neue Nutzung soll nicht vordefiniert, sondern flexibler Natur sein, um auf individuelle Anforderungen verschiedener Standorte reagieren zu können. Auch in ihrer Ausformulierung soll diese Installation variabel auf den Kontext reagieren, weswegen wir uns für die Anwendung eines modularen Systems entschieden haben.

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Ausgeführt als leichte, mobile Konstruktion, die in Formensprache und Materialwahl im Kontrast zur gebauten Umgebung steht, erzeugt dieses System Spannung und somit Aufmerksamkeit, was die gewünschte Aktivierung des Standortes unterstützt. Zusätzlich soll eine physische Reaktion auf äußere Reize weitere Spannung generieren und gegebenenfalls mit dem Nutzer interagieren.

Die Sensibilisierung der Sinne erfolgt durch eine Abweichung vom Gewohnten. Das Neue, Ungewohnte wird mit der Zeit aber selbst zum Gewohnten und muss daher wiederum von etwas Neuem abgelöst werden.

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Die Sensibilisierung der Sinne erfordert also einen steten Wandel. Vor diesem Hintergrund erhebt die Installation auch keinen Anspruch auf Vollendung, sondern sie wird von uns vielmehr als „Provisorische Architektur“ im Sinne von Haus-Rucker-Co. verstanden.

Mit einem mobilen Pavillon, gefertigt aus einem leichten Material und versandfertig verpackt, in einer Kiste, die mit wenigen Handgriffen zum Mobiliar umfunktioniert werden kann, sollen im Folgenden die Potentiale dieser „versandfertigen Architektur“

in der Katastrophenhilfe ausgelotet werden. Dies soll basierend auf vom „Sphere-Project“ herausgegebenen Handbuch und den darin aufgestellten Richtlinien für Mindeststandards für Notunterkünfte erfolgen. Das modulare System und die simple Fügungstechnik der einzelnen Elemente ermöglicht einen eigenständigen Aufbau, sodass die Unterkünfte in Form eines „Shelter Kits“ ausgegeben werden können. Auch die systemimmanente Lüftung sowie die Abtrennung einzelner Bereiche mithilfe von Membranen zur Schaffung von Privatsphäre erfüllen die aufgestellten Richtlinien. Die Forderung, dass regionale Baustoffe verwendet werden sollen, kann jedoch nicht erfüllt werden, sodass eine Akzeptanz der Bauten nicht unbedingt garantiert werden kann. Vor allem jedoch ist es der finanzielle Aspekt, der eine Nutzung dieses Systems für die Wohnbauten unrealistisch erscheinen lassen.

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Eine Nutzung für spezielle Funktionsgebäude erscheint hier realistischer. Innerhalb der errichteten Lager entwickeln sich politische Strukturen, mit Ämtern, deren Inhaber auf Versammlungen,(aus-)gewählt werden. Ein Prozess, bei dem die Partizipation sämtlicher, repräsentierter Gruppenerwünscht ist. Den benötigten Raum für diese Versammlungen möchten wir zur Verfügung stellen. Unter dem Titel „Transparenz im Flüchtlingslager“ wird sowohl das verwendete Material als auch das Bestreben zur Implementierung demokratischer Strukturen zusammengefasst. Anders als bei den Wohnungsbauten ist die Andersartigkeit des Materials gegenüber herkömmlichen Baustoffen hier von Vorteil. Die gesonderte Funktion findet Ausdruck in einer gesonderten Materialauswahl. In den ansonsten gleichartigen baulichen Strukturen innerhalb der Camps bietet dieses Gebäude Orientierung – ein wichtiger Faktor, welcher innerhalb des Entwurfs fokussiert wurde und in einer größeren, baulichen Höhe Ausdruck findet. Darüber hinaus kann über eine variable Illumination der Fassade auf verschiedene Veranstaltungen hingewiesen werden.

 

Zusätzliche, wichtige Funktionen innerhalb des Lagers, die wir mit dem entwickelten Modul auszuführen planen, sind ein Informations- und Vermisstenzentrum, in dem Informationen sowohl zu vermissten Angehörigen, als auch die politische Situation etc. bereit gestellt werden ; ein Anliegen, das neben dem Bedürfnis nach baulichem Schutz auch zur Gesundheit der Betroffen beiträgt. Darüber hinaus können dort auch Versammlungen und Fortbildungen verschiedenster Art stattfinden. Zusätzliche soll ein Pressepavillon ausgeführt werden, in dem Zugang zu weiteren Informationen bereitgestellt wird und Pressekonferenzen abgehalten werden können, damit die internationale Öffentlichkeit kontinuierlich informiert werden kann. Bevor diese Entwurfskonzepte genauer vorgestellt werden, sollen jedoch noch weitere potentielle Einsatzmöglichkeiten des Moduls untersucht werden und dessen Optimierungen aufgrund dieser Anforderungen dargestellt werden. Oftmals in Regionen aufgebaut, in denen (sub-)tropische klimatische Bedingungen herrschen, heizt sich die Raumtemperatur der verwendeten Zelte extrem auf. Ein Umstand, auf den mit einer größeren Höhe der Räume reagiert wird, um eine bessere Luftzirkulation zu ermöglichen – in kälteren Klimazonen wird die Raumhöhe niedrig gehalten, um das zu beheizende Volumen zu reduzieren. Zusätzlich sollte in warmen, feuchten Regionen eine ausreichende Neigung des Daches sowie ein großer Dachvorsprung vorgesehen werden. Auch der Boden sollte erhöht ausgeführt werden um einem möglichen Eindringen von Wasser in den Innenraum bei starkem Niederschlag vorzubeugen. Sämtliche dieser Anforderungen sind systemimmanent, wie die Abbildungen illustrieren.Eine hohe Raumtemperatur hat, neben Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden der Bewohner, auch Folgen für evtl. gelagerte Medikamente, deren Wirkstoffe unwirksam werden.

In sehr heißen Klimaregionen wird daher oftmals eine zweite Membran montiert, die mit geringem Abstand (ca. 50 cm) über die Zeltmembran gespannt wird und so einen Luftraum erzeugt, dessen steter Luftwechsel die Temperaturen im Innenraum senkt.

Durch die großzügig ausformulierten und miteinander verbundenen Öffnungen der Deckenelemente unseres Moduls, ist dieser Effekt systemimmanent. Um zudem auch einen Luftwechsel innerhalb der Wände zu unterstützen, ist eine Optimierung der Module sinnvoll. Durch Hinzufügen einer weiteren, seitlich angebrachten und mit dem Kern verbundenen Öffnung lässt sich ein „Kamineffekt“erzeugen,, wodurch die kalte Luft in den Innenraum strömen kann und warme Luft abgeführt wird.

Bei dem Kamineffekt handelt es sich um einen physikalischen Effekt. Aufgrund der geringeren Dichte von warmer Luft gegenüber kalter Luft steigt diese nach oben. Es entsteht ein Auftrieb, in dessen Folge ein Unterdruck erzeugt wird, wodurch neue, kältere Luft angesogen wird.

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Ist dieser Effekt nicht erwünscht, kann das Modul um 90° gedreht werden, sodass seine Öffnung nicht mehr zum Innenraum ausgerichtet ist. Ist auch eine Unterbindung des Luftstromes innerhalb der Decke erwünscht, schlagen wir das Verschließen der entsprechenden Öffnungen mittels eines zusätzlichen kleinen pneumatischen Kissens vor.

Um diesen „gekühlten“ Raum nun auch als Apotheke nutzen zu können, muss die Konstruktion einbruchssicher sein – Erfahrungen zeigen, dass Diebstahl von Medikamenten innerhalb der Lager häufig vorkommt. Daher schlagen wir die Verwendung eines schneidfesten Gewebes vor, welches vor der Konstruktion befestigt wird. Für deren Befestigung an der Außenhaut sind zusätzliche Ösen an den Ecken des Elements vorgesehen. Diese können ebenfalls als Befestigungspunkte für eventuelle Sonnenschutzfolien oder auch zusätzliche Seilabspannungen dienen.

 

 

Christian Zilisch | Nicolas Menn

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